Lavendelöl selber machen als Ölauszug aus getrockneten Blüten

Lavendelöl machen Sie zu Hause, indem Sie getrocknete Lavendelblüten mehrere Wochen in einem milden Pflanzenöl ziehen lassen und das Öl danach abseihen. Was dabei entsteht, ist ein Ölauszug, auch Mazerat genannt, und kein ätherisches Öl, denn dafür wäre eine Destillation nötig.

Von der Redaktion von Diffuser-Öl RatgeberAktualisiert am 3. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Offenes Bügelglas mit getrockneten Lavendelblüten und goldgelbem Öl auf einer Holzplatte bei tief stehender Sonne, daneben ein kleines Metallsieb, ein weißes Tuch, eine braune Glasflasche ohne Etikett und ein Bund getrockneter Lavendel, im Hintergrund Vorhänge und Fenster mit Blick auf Wasser

Kurz gesagt

  • Im Haushalt entsteht ein Ölauszug: Pflanzenöl, das den Duft getrockneter Lavendelblüten angenommen hat, mild und fettend.
  • Die Blüten müssen ganz trocken und immer mit Öl bedeckt sein, sonst droht Schimmel im Glas.
  • Der Auszug ist ein Öl für Hände und Körper, in einen Diffuser gehört er nicht.

Was im Glas entsteht und was nicht

Unter dem Namen Lavendelöl laufen zwei ganz verschiedene Dinge. Das Fläschchen mit Tropfeinsatz aus dem Handel enthält ätherisches Öl, also nur die flüchtigen Duftstoffe der Pflanze, mit Wasserdampf herausgelöst. Im Einmachglas auf der Fensterbank geschieht etwas anderes. Dort nimmt ein fettes Pflanzenöl einen Teil der Duftstoffe aus den Blüten auf und bleibt dabei, was es war: ein Speiseöl oder Pflegeöl, das nun nach Lavendel riecht.

Selbst gemachter ÖlauszugÄtherisches Lavendelöl
HerstellungBlüten ziehen in PflanzenölWasserdampfdestillation
Besteht ausFettem Trägeröl mit etwas LavendelduftReinen, flüchtigen Duftstoffen
DuftZart, aus der NäheSehr kräftig, wenige Tropfen genügen
Verhalten an der LuftVerdunstet nicht, hinterlässt einen FettfilmVerdunstet vollständig
Gedacht fürHände, Körper, MassageRaumduft, stark verdünnt in Mischungen

Zutaten und Werkzeug

  • Getrocknete Lavendelblüten, aus dem eigenen Garten oder gekauft, ohne Stängel und Blätter.
  • Ein mildes Pflanzenöl mit wenig Eigengeruch, etwa Mandelöl, Jojobaöl oder Sonnenblumenöl. Olivenöl funktioniert auch, riecht aber selbst deutlich mit.
  • Ein sauberes, vollständig trockenes Schraubglas oder Einmachglas.
  • Ein feines Sieb und ein Mulltuch oder ein Kaffeefilter zum Abseihen.
  • Eine dunkle Glasflasche und ein Etikett für das fertige Öl.

Der wichtigste Punkt steht gleich am Anfang der Liste. Frische Blüten enthalten Wasser, und Wasser im Öl ist der Grund, warum ein Ansatz schimmelt oder schnell ranzig wird. Lavendel aus dem Garten wird deshalb zuerst kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet, bis die Blüten beim Abstreifen rascheln und sich nicht mehr kühl oder weich anfühlen.

Der Kaltauszug in sechs Schritten

  1. Die getrockneten Blüten zwischen den Fingern leicht zerreiben, damit sie ihren Duft besser abgeben, und das Glas locker damit füllen.
  2. So viel Öl aufgießen, dass alle Blüten bedeckt sind und noch etwas Öl darübersteht. Mit einem sauberen Löffel umrühren, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
  3. Das Glas verschließen und an einen warmen Platz ohne pralle Sonne stellen. Viele Anleitungen nennen die Fensterbank; ein heller Platz neben dem Fenster schont das Öl mehr.
  4. Das Glas alle paar Tage sanft schwenken und nachsehen, ob die Blüten noch unter dem Öl liegen. Was herausragt, kann schimmeln.
  5. Nach mehreren Wochen das Öl durch Sieb und Tuch in eine Schüssel gießen und die Blüten im Tuch ausdrücken.
  6. Das gefilterte Öl in die dunkle Flasche füllen und mit Inhalt und Datum beschriften.

Wer einen kräftigeren Duft möchte, setzt das abgeseihte Öl ein zweites Mal mit neuen Blüten an. Zeigt sich im Glas Schimmel, riecht der Ansatz muffig oder ist er trüb und schleimig geworden, wird er entsorgt und nicht gerettet.

Der schnellere Weg im Wasserbad

Wem das Warten zu lang ist, der erwärmt Blüten und Öl gemeinsam. Dazu kommt das offene Glas oder eine hitzefeste Schüssel in einen Topf mit warmem Wasser, das auf kleiner Stufe nur heiß gehalten wird und nicht kocht. Das Öl soll handwarm bis gut warm werden, nicht brutzeln, sonst leidet der Duft. Nach einigen Stunden lassen Sie den Ansatz abkühlen und seihen ihn wie beim Kaltauszug ab. Achten Sie darauf, dass kein Wasser und kein Dampf ins Öl gelangt, und lassen Sie den Herd nicht unbeaufsichtigt.

Wofür sich der Auszug eignet

Ein Lavendel-Ölauszug ist ein duftendes Pflegeöl. Er wird als Körperöl nach dem Duschen, als Massageöl oder für trockene Hände verwendet und dient als Grundlage für selbst gerührte Salben und Seifen. In einer hübschen Flasche ist er außerdem ein Geschenk, dem man ansieht, dass es aus dem eigenen Garten stammt. Viele Menschen empfinden den Lavendelduft dabei als ruhig und angenehm.

Warum der Ölauszug nicht in den Diffuser gehört

Ein Diffuser ist dafür gebaut, flüchtige Duftstoffe in die Luft zu bringen. Ein Mazerat besteht fast ganz aus fettem Öl, und Fett verdunstet nicht. Im Ultraschallgerät legt es sich als Film auf Wasser, Tank und die kleine Scheibe am Boden, die den Nebel erzeugt. In einem Vernebler ohne Wasser kann es die feine Düse verkleben. Der Raum riecht dabei kaum nach Lavendel, weil der Auszug viel zu wenig Duft trägt.

Für Raumduft brauchen Sie deshalb ein ätherisches Lavendelöl oder ein Duftöl, das für Geräte gemacht ist. Welche Bauart welches Öl aufnimmt, steht in unserem Ratgeber zu Ölen und Diffuser-Bauarten. Dasselbe gilt für Duftlampen: Fettes Öl über dem Teelicht wird heiß und riecht eher nach Küche als nach Blüten.

Lagern und erkennen, wann das Öl alt ist

Der Auszug hält sich höchstens so lange wie das Pflanzenöl, mit dem er angesetzt wurde. Das Haltbarkeitsdatum auf der Ölflasche ist deshalb ein guter Anhaltspunkt und gehört mit auf das Etikett. Bewahren Sie die Flasche dunkel, kühl und gut verschlossen auf. Riecht das Öl nach altem Fett oder nach Fensterkitt, ist es ranzig und kommt nicht mehr auf die Haut.

Und ätherisches Lavendelöl aus dem eigenen Garten

Echtes ätherisches Öl lässt sich nur durch Destillation gewinnen. Dazu wird Wasserdampf durch die Blüten geleitet, abgekühlt und aufgefangen, wofür es eine Destille braucht. Der Ertrag ist gering. Aus einer Menge Lavendel, wie sie ein Hausgarten liefert, entsteht vor allem duftendes Blütenwasser, das Hydrolat, mit einer dünnen Ölschicht obenauf. Als Hobby ist das reizvoll, als Quelle für den Vorrat an Diffuser-Öl taugt es kaum.

Sinnvoller ist eine Arbeitsteilung. Der selbst angesetzte Auszug kommt ins Bad, das Öl für den Raum wird gekauft. Ob dafür ein Fläschchen ätherisches Öl oder ein Gerät mit fertigen Duftbehältern besser passt, zeigt der Vergleich von Tropfflasche und Duftpod auf unserer Startseite, samt den laufenden Kosten.

Für den Raum braucht es ein anderes Öl

Unser Ratgeber zeigt, welche Öle ein Diffuser verträgt, welcher Duft zu Abend und Arbeitstag passt und was Öl und Pods im Monat kosten.

Zum Ratgeber für Diffuser-Öl