Naturreine ätherische Öle, was das Wort verspricht und was nicht

Naturreine ätherische Öle enthalten nur den flüchtigen Duftanteil der einen Pflanze, die auf dem Etikett steht, ohne Verdünnung, ohne zugesetzte Riechstoffe und ohne Anteile anderer Öle. Das Wort ist eine Zusage des Anbieters und kein geprüftes Siegel; wie viel sie wert ist, zeigt der Rest des Etiketts.

Von der Redaktion von Diffuser-Öl RatgeberAktualisiert am 1. November 20266 Min. Lesezeit

Fünf braune Tropffläschchen ohne Etikett auf einem Holzbrett in tiefer Sonne, davor Lavendelblüten, Eukalyptusblätter, eine halbe Zitrone, Zimtrinde und ein Stück helles Harz, rechts ein Glas Wasser, dahinter ein Vorhang und ein Fenster mit Blick aufs Wasser

Kurz gesagt

  • Naturrein verspricht ein unverändertes Öl aus einer einzigen, genannten Pflanze; es ist eine Angabe des Anbieters, kein Siegel.
  • Naturidentisch, natürlich, Bio und Duftöl meinen jeweils etwas anderes, nämlich die Herkunft der Riechstoffe, den Anbau oder eine Komposition.
  • Über Alter, Verträglichkeit und die Eignung für Ihr Gerät sagt das Wort nichts; dafür zählen Charge, Glas und die Anleitung des Diffusers.

Was naturrein auf der Flasche zusagt

Steht naturrein oder 100 % naturreines ätherisches Öl auf einem Fläschchen, erklärt der Anbieter dreierlei. Erstens stammt der Inhalt aus der genannten Pflanzenart, nicht aus einer Mischung mehrerer Arten. Zweitens wurde nichts hinzugefügt, weder Alkohol noch Trägeröl noch einzelne Riechstoffe, die den Duft auffrischen oder vereinheitlichen. Drittens wurde nichts herausgenommen; das Öl ist so, wie Destillation oder Pressung es ergeben haben.

Eine eigene gesetzliche Definition für dieses Wort ist uns bei Raumduftölen nicht bekannt, und hinter ihm steht kein Siegel mit Kontrollstelle. Wer naturrein schreibt, muss wahrheitsgemäß werben; von außen prüfen lässt sich die Angabe aber nur über den Rest des Etiketts. Ein Fläschchen, das nur Lavendel naturrein sagt und sonst nichts, hat die Hälfte der Auskunft weggelassen.

Die Nachbarn des Wortes

Auf demselben Regalbrett stehen Begriffe, die ähnlich klingen und etwas anderes meinen. Die Tabelle ordnet sie nach der Frage, woher die Riechstoffe stammen.

BegriffWoher die Riechstoffe kommenWas er offenlässt
NaturreinAus der einen genannten Pflanze, unverändertAnbauweise, Alter des Öls, Eignung für ein Gerät
NatürlichAus pflanzlichen oder anderen natürlichen Quellen, nicht zwingend aus einer einzigen PflanzeWelche Pflanzen in welchem Verhältnis enthalten sind
NaturidentischEinzelne Riechstoffe, im Werk hergestellt, chemisch gleich mit Stoffen aus PflanzenEs ist kein Pflanzenauszug, auch wenn es so riecht
BioAus Pflanzen, die nach den Regeln des ökologischen Landbaus gewachsen sindOb das Öl rein oder verdünnt in der Flasche ist
Duftöl, ParfümölEine Komposition aus natürlichen und synthetischen Riechstoffen, oft in einer TrägerflüssigkeitWoher die einzelnen Bestandteile stammen

Bio und naturrein werden am häufigsten verwechselt, dabei beschreiben sie zwei verschiedene Stationen. Bio sagt etwas über den Anbau der Pflanze, naturrein etwas über das, was später in die Flasche kam. Ein Öl kann beides sein, nur eines davon oder keines, und keine der beiden Angaben ersetzt die andere.

Duftöl ist der Gegenpol. Es wird nach Rezept gemischt, riecht in jeder Flasche gleich und kann Noten tragen, die keine Pflanze liefert. Wer einen festen Hausduft sucht, ist damit oft einfacher bedient als mit einem Naturprodukt, das von Ernte zu Ernte schwankt. Welche Richtung zu welchem Moment in den Raum passt, zeigt unsere Zuordnung, welcher Duft zum Arbeitstag und welcher zum Abend gehört.

Woran Sie ein naturreines Öl an der Flasche erkennen

Ein Anbieter, der naturrein ernst meint, hat kein Problem damit, genau zu werden. Die folgenden Angaben sind freiwillig, zusammen zeigen sie aber, ob das Wort gedeckt ist.

AngabeSo sieht sie ausWozu sie dient
Botanischer NameLavandula angustifolia statt nur LavendelLegt die Pflanzenart fest; hinter einem deutschen Namen können mehrere Arten stehen
PflanzenteilBlüte, Blatt, Schale, Holz, HarzDieselbe Pflanze liefert aus verschiedenen Teilen verschiedene Öle
GewinnungWasserdampfdestillation oder KaltpressungZeigt, dass es ein ätherisches Öl ist und kein Auszug in einem anderen Öl
HerkunftslandBulgarien, Italien, AustralienEine Pflanze hat eine Herkunft, eine Komposition hat keine
Chemotyp, kurz ct.Rosmarin ct. CineolNur bei wenigen Pflanzen üblich; nennt die Duftlinie innerhalb der Art
ChargennummerZiffernfolge, oft neben der HaltbarkeitVerbindet die Flasche mit einer Abfüllung und damit mit einer Ernte
FlascheDunkles Glas, Tropfeinsatz, kleine FüllmengeSchützt vor Licht; klares Glas oder Kunststoff passen nicht zu einem Öl, das Licht und Luft meidet

Dazu kommen Angaben, die meist vorgeschrieben sind. Weil ätherische Öle konzentrierte und oft leicht entzündliche Stoffe sind, tragen sie in der Regel Gefahrenpiktogramme und Warnhinweise, dazu die Füllmenge sowie Name und Anschrift des Anbieters. Diese Angaben fehlen auch auf einem guten Öl nicht. Eine Flasche ohne jedes Warnzeichen ist kein Beleg für Milde, sondern eher für ein unvollständiges Etikett.

Der Preis als Gegenprobe

Naturreine Öle liegen im Preis weit auseinander, und der Grund ist die Pflanze. Orangenschalen fallen bei der Saftherstellung ohnehin an und enthalten viel Öl. Rosenblüten werden von Hand gepflückt und liefern winzige Mengen. Sandelholz wächst langsam, Weihrauchharz wird gesammelt statt angebaut. Für dieselbe Flaschengröße entstehen so sehr unterschiedliche Kosten.

Daraus folgt eine einfache Plausibilitätsregel. In einer Reihe, die durchweg naturrein verspricht, müssen die Preise von Öl zu Öl deutlich auseinanderliegen. Kostet Rose dasselbe wie Orange, stimmt an einer der beiden Angaben etwas nicht. Teure Blütenöle werden deshalb oft in einem Trägeröl verdünnt angeboten. Das ist ehrlich, sobald es auf dem Etikett steht, aber es ist dann kein naturreines Öl mehr.

Ein hoher Preis beweist umgekehrt nichts. Er kann an einer kleinen Abfüllung, am Bio-Anbau, an der Herkunft oder am Handelsweg liegen. Was ein Duft im Alltag kostet, hängt ohnehin auch vom Verbrauch des Geräts ab, nicht nur vom Flaschenpreis; auf der Startseite zeigen wir, wie wir Flaschenpreis und Verbrauch zu Monatskosten verrechnen.

Was das Wort nicht sagt

Naturrein beschreibt die Herkunft des Inhalts am Tag der Abfüllung. Über den Zustand des Öls in Ihrer Hand sagt es nichts. Ein naturreines Zitrusöl, das lange offen auf der Fensterbank stand, ist immer noch naturrein und riecht trotzdem stumpf. Haltbarkeitsdatum, Chargennummer und die eigene Nase sind hier bessere Ratgeber als das Wort auf der Vorderseite.

Ebenso wenig heißt naturrein verträglich. Gerade weil nichts verdünnt wurde, ist ein naturreines Öl ein Konzentrat, und Stoffe wie Linalool oder Limonen, auf die manche Menschen empfindlich reagieren, stammen aus eben diesen Pflanzen. Natürlich und mild sind zwei verschiedene Wörter.

Und schließlich entscheidet nicht das Öl, sondern das Gerät, ob beide zusammenpassen. Ultraschallgeräte und Vernebler nehmen dünnflüssiges, reines Öl auf, wenn der Hersteller es freigibt; ein in Trägeröl verdünntes Öl hinterlässt dort einen Film. Geschlossene Systeme arbeiten nur mit den Behältern ihres Herstellers, dort stellt sich die Frage nach naturrein gar nicht. Bevor Sie Öl kaufen, lohnt der Blick, welche Bauart loses Öl annimmt und welche einen Pod erwartet.

Vom Wort zur Flasche und zum Gerät

Auf der Startseite ordnen wir Öle den Geräten zu, die sie aufnehmen, vergleichen die Kosten von Flasche und Pod und sortieren Düfte nach Tageszeit.

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