Woraus ätherische Öle bestehen und welche Bestandteile den Duft prägen

Ein ätherisches Öl ist kein einzelner Stoff, sondern ein natürliches Gemisch aus vielen flüchtigen Verbindungen, die die Pflanze selbst bildet. Eine Handvoll davon bestimmt den Charakter des Dufts, die übrigen runden ihn ab.

Von der Redaktion von Diffuser-Öl RatgeberAktualisiert am 11. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Fünf kleine braune Tropffläschchen mit schwarzen Pipettenkappen in einer Reihe auf einer hellen Arbeitsplatte in tiefer Sonne, dazwischen eine halbe Zitrone mit einem Schnitz, Lavendelblüten, Eukalyptusblätter, einige Gewürznelken und ein Thymianzweig, dahinter ein Vorhang und Wasser vor dem Fenster

Kurz gesagt

  • Jedes ätherische Öl ist ein Gemisch aus vielen Einzelstoffen; wenige Leitstoffe wie Linalool, Limonen oder Eugenol prägen den Duft.
  • Dieselbe Pflanze liefert je nach Chemotyp, Boden, Wetter und Erntejahr ein etwas anderes Öl, deshalb riechen zwei Chargen nie völlig gleich.
  • Öle mit Phenolen oder Aldehyden werden niedrig dosiert; Zitrusöle oxidieren und sollten kühl, dunkel und zügig aufgebraucht werden.

Ein Öl, viele Stoffe

Was für die Nase ein Duft ist, ist chemisch gesehen ein Gemisch. Eine Pflanze bildet in Blüten, Blättern, Schalen oder Holz Dutzende bis Hunderte verschiedener flüchtiger Verbindungen, und das ätherische Öl enthält genau dieses Gemisch in konzentrierter Form. Ein Lavendelöl riecht deshalb nicht nach einem Stoff namens Lavendel, sondern nach dem Zusammenspiel seiner Bestandteile.

Die meisten dieser Stoffe kommen nur in Spuren vor und steuern Nuancen bei. Einige wenige sind so reichlich vorhanden, dass sie den Charakter bestimmen; man nennt sie Leitstoffe oder Hauptkomponenten. Fast alle gehören zu einer Handvoll chemischer Familien, und jede Familie hat im Duft eine wiedererkennbare Handschrift.

Die wichtigsten Stoffgruppen und ihre bekannten Vertreter

Die Namen klingen nach Chemieunterricht, die Zuordnung ist aber überschaubar. Die Tabelle nennt die Gruppen, denen Sie bei Haushaltsölen begegnen, je ein oder zwei bekannte Vertreter und die Öle, in denen sie typischerweise den Ton angeben.

StoffgruppeBekannte VertreterTypische ÖleCharakter im Duft
MonoterpeneLimonen, PinenZitrusschalenöle; Nadelholzöle wie Kiefer und FichteHell und frisch, verfliegen schnell
Monoterpenole (Alkohole)Linalool, Menthol, GeraniolLavendel, Pfefferminze, RosengeranieWeich und rund, blumig oder kühl
EsterLinalylacetatLavendel, BergamotteMild und fruchtig-süß, verbindet die übrigen Noten
AldehydeCitral, CitronellalLemongras, ZitroneneukalyptusZitronig und durchdringend, aus der Nähe scharf
PhenoleEugenol, ThymolNelke, ThymianWürzig und heiß, sehr dominant
Oxide1,8-CineolEukalyptusKlar und kampferartig
Sesquiterpene und SesquiterpenoleSantalol, BisabololSandelholz, KamilleWarm und schwer, holzig oder süßlich-krautig, bleiben lange

Die Gruppen erklären viel von dem, was Sie beim Riechen erleben. Kleine, leichte Moleküle wie Limonen steigen rasch in die Luft und sind ebenso rasch wieder fort; die größeren Sesquiterpene aus Holz und Wurzel verdunsten langsam und bleiben als Grundton im Zimmer. Ein Öl mit Anteilen aus beiden Lagern riecht deshalb beim Öffnen anders als später im Raum.

Aus demselben Grund passen leichte Öle eher an den Morgen und schwere eher an den Abend. Welches Öl wir für welche Stunde vorschlagen, steht in unseren Duftempfehlungen vom ersten Kaffee bis zum Feierabend auf der Startseite.

Dieselbe Pflanze, ein anderes Öl

Zwei Thymianöle können von derselben Pflanzenart stammen und trotzdem deutlich verschieden riechen. Der Fachbegriff dafür heißt Chemotyp. Innerhalb einer Art gibt es Linien, die bevorzugt den einen oder den anderen Stoff bilden: Thymian ct. Linalool riecht weich und beinahe lavendelartig, Thymian ct. Thymol scharf und würzig. Das Kürzel ct. auf dem Etikett verrät, welche Linie in der Flasche ist.

Dazu kommen Standort und Jahr. Boden, Höhenlage, Sonne, Regen und der Zeitpunkt der Ernte verschieben das Verhältnis der Bestandteile, ähnlich wie Wein von Jahrgang zu Jahrgang anders ausfällt. Ein naturreines Öl ist deshalb immer ein Naturprodukt mit Schwankungen; kein Anbieter kann zusichern, dass die nächste Charge exakt so riecht wie die letzte.

Warum diese Namen auch auf Seife und Reiniger stehen

Limonene (so die englische Schreibweise von Limonen auf dem Etikett), Linalool, Citral, Geraniol, Eugenol oder Coumarin tauchen im Kleingedruckten von Seifen, Spülmitteln, Cremes und Waschmitteln auf. Das ist kein Hinweis auf etwas Künstliches, sondern eine Folge der Kennzeichnungsregeln in der EU. Bestimmte Duftstoffe müssen auf dem Etikett namentlich genannt werden, damit Menschen mit einer bekannten Empfindlichkeit sie erkennen und meiden können.

Ob der Stoff aus einem ätherischen Öl stammt oder einzeln zugesetzt wurde, sieht man dem Namen nicht an. Für den Haushalt heißt das: Wer weiß, dass er auf Linalool oder Citral empfindlich reagiert, findet denselben Stoff auch in naturreinen Ölen aus Lavendel oder Lemongras. Auf die Haut gehören ätherische Öle ohnehin nur verdünnt, zuerst an einer kleinen Stelle ausprobiert.

Was das für den Diffuser bedeutet

Die Tabelle lässt sich direkt in Dosierung übersetzen. Öle, deren Charakter von Phenolen oder Aldehyden bestimmt wird, also Nelke, Thymian, Lemongras oder Zitroneneukalyptus, riechen aus der Nähe scharf und beherrschen einen Raum schnell. Mit ihnen beginnt man mit wenigen Tropfen und kombiniert sie gern mit einem weichen Öl aus der Gruppe der Alkohole oder Ester.

Zitrusöle sind der zweite Sonderfall. Ihr Hauptbestandteil Limonen reagiert mit dem Sauerstoff der Luft, und die Oxidationsprodukte riechen nicht mehr hell, sondern stumpf oder leicht harzig. Deshalb altern Orange, Zitrone und Bergamotte schneller als ein Holzöl, dessen schwere Sesquiterpene träger reagieren, und deshalb lohnt es sich, bei Zitrusölen eher kleine Fläschchen zu kaufen.

Wohin das Öl im Gerät kommt, hängt nicht von seinen Bestandteilen ab, sondern von der Bauart. Ultraschallgeräte nehmen Tropfen auf dem Wasser, Vernebler ziehen das Öl pur aus der Flasche, geschlossene Systeme akzeptieren nur die Behälter ihres Herstellers. Vor dem Kauf lohnt deshalb ein Blick darauf, in welches Gerät naturreines Öl darf und in welches nur ein Pod.

Naturrein oder komponiert, der Unterschied im Alltag

Aus den Bestandteilen erklärt sich auch der Unterschied zwischen einem naturreinen Öl und einem Duftöl. Das naturreine Öl bringt das ganze Gemisch einer Pflanze mit, samt der Schwankungen von Charge zu Charge. Ein Duftöl wird aus einzelnen Riechstoffen zusammengesetzt, natürlichen wie naturidentischen, und so abgestimmt, dass es jedes Mal gleich riecht.

Beides hat seinen Platz. Wer die Pflanze riechen möchte, nimmt das Öl und nimmt in Kauf, dass der Lavendel des nächsten Jahres ein wenig anders ausfällt. Wer einen festen Hausduft sucht, ist mit einer Komposition oder einem Pod einfacher bedient. Was die drei Wege im Monat kosten, rechnen wir auf der Startseite vor, in unserer Monatsrechnung für naturreines Öl, Duftöl und Pods.

Vom Stoff zum passenden Gerät

Unser Ratgeber zeigt, welches Öl in welche Bauart darf, was ätherisches Öl, Duftöl und Pods kosten und welcher Duft zu welcher Stunde passt.

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